Ich setze vorausgesetzt, dass du eine Karte lesen kannst; wenn nicht, mach die Grundausbildung noch einmal mit. Karten lesen heißt nicht nur, auch ohne Legende arbeiten zu können. Viel wichtiger ist es, aus der Karte die Informationen abzuleiten, die nicht eingezeichnet sind! Falte die Karte grundsätzlich an den Außenkanten und nicht in dem Bereich, in dem du dich befindest; so vermeidest du die Weitergabe von Informationen, die den Kameraden von der anderen Feldpostnummer nützlich sind. Hast du die Karte mit Taktischen Zeichen versehen, trage Sorge dafür, dass diese kurz vor der Gefangennahme oder Flucht schnell unleserlich gemacht werden können.
Dein Pech, wenn du keine hast, dein Glück ist es, dass du eine Karte improvisieren kannst. Suche einen Punkt im Gelände, von dem aus du den bestmöglichen Überblick hast und fertige dir eine maßstabgerechte grobe Skizze des Geländes an, denn Entfernungsschätzen (siehe den nächsten Punkt) hast du ja gelernt (hoffe ich wenigstens). Fülle die „weißen Flecken“ der Skizze nach und nach aus: Alles, was dir wichtig erscheint, muss skizziert werden: Wasserläufe, auffällige Felsen und Vegetationsflächen, die Lage der Trapline, Wildwechsel und geeignete Standorte für Jagd und Fischfang, Brennmaterial usw. Es entlastet dein Gedächnis ungemein und verhindert das „Versacken“. Hast du kein Papier, ritze die Informationen in einen gut durchgekneteten glattgestrichenen Lehmklumpen und trockne ihn am Feuer. Oder fertige aus dünnen geraden Hölzern eine Karte in Form der alten Seekarten der Polynesier an.
Entfernungsschätzen.
Bei normaler Sicht und Sehschärfe erkennt man auf
Entfernung in Metern Objekt
50 Einzelheiten eines Gesichtes, einzelne Dachziegel
75 Augenlinien
100 Kopfformen
150 Einzelheiten der Bekleidung
250 Gesicht als heller Fleck
300 Arme und Beine, Türen
400 Umriss einer Person
500 Farben der Bekleidung, Zelte
1.000 Bewegungen
1.200 Einzelne Bäume
1.500 Personengruppen, Kfz
2.000 Umrisse einzeln stehender Bäume
4.000 Freistehende Häuser, einzeln stehende Bäume
5.000 Fabrikschornsteine, Hochhäuser, Baumgrupen
10.000 Burgen, Fernsehtürme
Aus den Einflüssen der Umgebung und des Klimas ergeben sich allerdings Fehler beim Schätzen.
Man schätzt meist zu weit:
Dagegen wird oft zu kurz geschätzt:
Orientierung
Hüte deinen Kompass wie einen Augapfel, aber lerne, einen Kompass zu improvisieren!
Eine Stopfnadel, in einer Richtung gegen Seide oder einen Magneten gestrichen, ergibt eine einfache Kompassnadel, deren Magnetismus allerdings von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden muss. Streiche 2-3 Minuten mit dem Pol einer Batterie über eine Stopfnadel. Streicht man mit dem +-Pol, zeigt die Nadel mit der Streichrichtung nach Norden, mit dem –Pol nach Süden. Lass die Nadel an einem freihängenden Faden sich auspendeln oder lege sie auf ein Stück Papier oder Pflanzenblatt auf eine ruhige Wasseroberfläche, z. B. im Kochgeschirrdeckel. Natürlich musst du dir merken, welche Seite der Nadel nach Norden zeigt.
Eine Nähnadel in einer Spule aus Draht über den Polen einer 1,5 Volt Batterie 5 Minuten aufgehängt, erzeugt ebenfalls eine Kompaßnadel.
Oder streiche eine Rasierklinge mit sanften Druck in einer Richtung gegen den (trocknen) Handballen. Überprüfe täglich die Wirksamkeit der Kompaßnadel gegen die Sonne.
Mit der Schattenstock-Methoden oder einer Uhr (keine Digitaluhr!) sind die Ergebnisse genauer. Wenn du aber nur eine Digitaluhr besitzt, zeichnest du die Zeigerstellung auf ein Stück Papier oder Birkenrinde.
Die folgenden Regeln gelten nur regional begrenzt:
Einzeln stehende Bäume sind in der Regel nach Südost geneigt, die längsten Äste zeigen ebenfalls in der Regel nach Südost.
Der dichteste Moosbesatz an einzeln stehenden Bäumen zeigt nach Nordwest; dort ist die Rinde brüchig.
Auf der Südseite befinden sich unter der Rinde viele Ohren- und Borkenkäfer.
Bei einzeln stehenden Grasbüscheln zeigt das dichteste Wurzelwerk nach Nordwest.
Der Eingang zur Nisthöhle von Spechten zeigt meist nach Osten.
Spinnennetze sind meist in Ost-West-Richtung gespannt.
Jahresringe an Bäumen zeigen an der Nord- und Nordostseite größere Abstände.
Die Spitzen immergrüner Bäume sind meist in östlicher Richtung geneigt.
Die Höhlen von Spechten sind oft nach Osten ausgerichtet.
Polarstern im Großen Bären zeigt Nord.
Nord-Süd-Richtung im Orion.
Blüten der Gänseblümchen zeigen in Richtung der Sonne,
Blüten der Wegwarte öffnen sich gegen 06:00h und schließen gegen 12:00h
Die wichtigste Voraussetzung für die Rettung aus einer Notsituation ist, den Rettern Informationen über deinen Standort und deine Situation zu geben. Erst wenn der Kontakt hergestellt ist, werden zusätzliche Informationen übermittelt.
Weltweit hat sich trotz aller ideologischer und kultureller Unterschiede ein Standard für Notsignale gebildet.
Das Alpine Notsignal besteht aus 6 Signaltönen pro Minute, 1 Minute warten, 6 Signaltöne usw.
Die Antwort sind 3 Signaltöne unmittelbar hintereinander.
Das Internationale Notsignal SOS: (Save our Souls) besteht aus3 langen, 3 kurz und 3 langen akustischen oder optischen Signalen oder einer roten Fackel oder Signalrakete.
Im Funksprechverkehr wird das Wort MAYDAY (franz. m´aidez = Hilfe) verwendet.
Grundsätzlich wird eine Folge von 3 Signalen als Hilferuf verstanden: Feuer, Rauch, Pfeiftöne, Schüsse, Signalraketen usw. Bei Geräuschen oder Lichtzeichen wartet man 1 Minute zwischen den Signalfolgen.
Markiere Deinen Standort und setze die Signale so hoch wie nur irgendwie möglich .
Fahrzeug- oder Flugzeugwracks liefern viele nützliche Dinge zu Signalisieren: Kraftstoff, Öl und Hydraulikflüssigkeiten können verbrannt werden, die Isolation elektrischer Anlagen produziert dicken fetten Rauch, Glasreste und verchromte Teile werden zu Reflektoren umfunktioniert.
Feuer und Rauch : Errichte sofort nach den überlebenswichtigen Tätigkeiten Signalfeuer oder Rauchfeuer und halte sie zum schnellen Entzünden bereit. Mindestens eine Person muss als Signalmeister herhalten!
Zünde im Bedarfsfall einen einzelnstehenden trocknen Baum an, aber verursache keinen Waldbrand. Ein Feuer auf einer Metallplatte von einem Wrack entzündet wird die Platte in eine konvexe Form bringen und die Hitze des Feuer steigern.
Das Dreibein eines Räucherzeltes oder das Tempelfeuer eignet sich besonders gut für Rauchfeuer in sumpfigen Gelände.
Heller Rauch hebt sich besonders gut vom dunklen Wald oder dunklen Untergrund ab, während dunkler Rauch am besten gegen Schnee oder Sand zu sehen ist.
Jeder farbige Gegenstand wird benutzt, um Boden-Luftzeichen auszulegen. Eine Größe von 10 x 3 Metern ist das Minimum. Im Schnee trampelt man eine möglichst tiefen Graben, ebenso wenn kein Material zur Verfügung steht.
Zur Übermittlung von optischen Signalen bedient man sich eines Signalspiegels oder arbeitet mit einer auffallend gefärbten Signalflagge. Dabei ist die Kenntnis des Morsecodes und einer Reihe von wichtigen Wörtern in Morse für das Senden und Empfangen hilfreich.
Eine zweifarbige handelsübliche Rettungsdecke, in 30 cm breite Streifen geschnitten und an einem freistehenden Gerüst flatternd, dient als Radar-Reflektor für Suchflugzeuge.
Lerne auch die international gebräuchliche Codes der Körpersignale.
Die Antworten vom Flugzeug auf Körpersignale sind:
Bei Tage : Wackeln mit den Tragflächen = Verstanden
Ganzer Kreis rechts = Nicht verstanden
Bei Nacht : Grünes Blinkzeichen. = Verstanden
Rotes Blinkzeichen = Nicht verstanden
Hilfe wird mit folgenden Signalen angefordert:
Fackel/Signalrakete: Rot
Akustisch : 6 Töne in schneller Reihenfolge
Optisch : 6 Blitze in schneller Reihenfolge
Hast Du eine Nachricht oder ein Zeichen verstanden, setze folgende Signale an:
Fackel/Signalrakete: weiß
Akustisch : 3 Töne in schneller Reihenfolge
Optisch : 3 Blitze in schneller Reihenfolge
Die geplante Rückkehr zum Lager übermittelst du wie folgt:
Fackel/Signalrakete: Grün
Akustisch : Sehr lang andauernde Töne, mindestens 30 sec.
Optisch : Sehr lang andauerndes Licht, mindestens 30 sec.
Die Benutzung künstlicher Fackeln und Signalraketen ist nur nach den beigefügten Bedienungsanweisungen vorzunehmen. Bei unsachgemäßer Benutzung hast du schnell einen Wald- oder Flächenbrand angefacht, ein Loch in Dein Boot oder noch schlimmer, in deinen Adoniskörper gebohrt.
Hinterlasse in jedem Lager, außer auf der Flucht, Informationen über die Marschrichtung durch deutlich sichtbare Pfeile aus Steinen oder Ästen, oder aus in die Rinde von Bäumen tief eingeschnittenen Marken.
Nicht einzuschlagende Richtungen werden mit dem Buchstaben X markiert.
Drei nebeneinander stehende Stöcke oder Steinhaufen signalisieren Gefahren.
Verabredet in der auf sich gestellten Gruppe eigene Zeichen. So können z.B. Kiefernnadeln in einem Haselnussgebüsch oder ein in der Rinde einer Buche befestigtes Eichenblatt Hinweise sein
Und zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis:
Wirst du im V-Fall von einem Hubschrauber aufgelesen, laufe nicht sofort auf ihn zu. Knie dich mit dem Rücken zum Hubschrauber hin, lege alles, was du in den Händen hast, zur Seite und strecke beide Arme zur Seite. Damit signalisierst du der Besatzung, dass du keine feindlichen Absichten hast. Die Crew ist aus den gleichen Gründen wie du nervös und will so schnell wie möglich heim zu Muttern, und du kannst Gift darauf nehmen, dass ein Heeres-Anklopfgerät auf dich zeigt!