Sowohl der Jugendgruppenleiter als auch der militärische Führer weis, daß eine Ausbildung im Gelände allen Beteiligten mehr Spaß macht aber auch in der Vorbereitung mehr abverlangt. Für den Schüler wird Training, Ausbildung und Ausführung viel direkter mit den Tracken selbst verbunden.
Mit im Gelände angewendeten visuellen Tracking-Kenntnissen muß einem Neuling im Tracken eine sehr wichtige Tatsache vermittelt werden – der Tracker muß sich davor hüten, sich selbst zu betrügen oder „in die eigene Tasche zu lügen“. Er wird in seinen Entscheidungen immer von seinen eigenen Erfahrungen und Kenntnissen geleitet werden. Ein im Grasland exzellenter Tracker ist nicht notwendigerweise auch ein Profi im Wald. Es wird daher besonders dem Neuling schwerfallen, das zu sehen, was wirklich vorhanden ist und nicht das, was er meint zu sehen.
Die Personen, die in offenen Gelände leben, haben in der Regel ein schärferes Sichtvermögen als Stadtbewohner. Die Umgebung beeinflußt das Wahrnehmungsvermögen über eine größere Distanz. Während Beduinen eine bemerkenswerte Fähigkeit haben, über große Distanzen sehen zu können, haben Waldbewohner wie die Iban in Malaysia oder die Indianer im Amazonasgebiet ein wesentlich schärferes Wahrnehmungsvermögen für Details auf kurze Distanzen.
Der westliche Stadtbewohner kann sich diese Fähigkeiten auch aneignen, aber er muß sich seiner Grenzen bewußt sein. Er wird schnell lernen aber auch schnell wieder vergessen, da er sich nicht dem Druck einer ständigen Anwendung seiner Techniken ausgesetzt sieht, um aber den Kenntnisstand professioneller Waldbewohner zu erreichen, braucht er Jahrzehnte.

Durch den Gebrauch des Gesichtssinns wird der Tracker die meisten und genauesten Informationen bekommen. Das bedeutet aber nicht ausschließlich „Sehen“. Das Verständnis dafür, warum Dinge gesehen werden, hilft dem Tracker beim suchen und finden des Zielobjektes und der von ihm hinterlassenen Zeichen und seine Selbsteinschätzung zu verbessern.
Daher:
Die folgenden sechs Faktoren werden deine Aufmerksamkeit auf sich lenken und erklären, warum Dinge gesehen werden. Gleichzeitig wollen wir auch untersuchen, wie sich das auf deine Tarnung und damit auf dein Verhalten auswirkt.
Die Form unserer persönlichen Ausrüstung und des menschliche Körpers sind uns allen vertraut. Sie werden sofort erkannt, besonders wenn sie im Kontrast zur Umgebung stehen. Unterschiedliche Formen werden leichter erkannt, wenn sie auffallende Merkmale haben, z.B. ein Regenumhang, Springerstiefel, oder ein getragener Regenschirm oder eine Waffe. Erinnere dich daran, daß deine Form und die Form des Zielobjektes vor dem gleichen Hintergrund leicht erkennbar sind, für beide Parteien!
Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Wir sind durch unsere Erfahrungen darauf geeicht, unsere Beobachtungen mit etwas Bekannten zu vergleichen, und gerade da liegt der Hase im Pfeffer. Durch optische Täuschungen, ggf. verbunden mit einer falschen Interpretation des Beobachteten kommen wir schnell zu einem falschen, u. U. für uns fatalen Schluß.
Im Umkehrschluß müssen wir uns also so tarnen, daß unsere eigenen Formen (Mensch und Material) so der Umgebung angepaßt werden, daß sie, aus welcher Richtung auch immer, mit dieser verschmelzen.
Schatten entstehen bei Sonnen- und Mondlicht und bei Licht aus künstlichen Quellen, also auch bei Lasern und aktiven Nachtsichtgeräten. Ein Objekt verrät seine Gegenwart durch einen Schatten, auch wenn es selbst nicht direkt zu sehen ist. Andererseits ist ein Objekt, dessen Schatten von anderen Schatten überlagert wird, sehr viel schwerer auszumachen. Mit der Veränderung des Lichtes, sowohl seiner Stärke als auch seiner Richtung bewegt sich auch der Schatten. Dabei werden andere bisher nicht sichtbare Objekte ihren eigenen neuen Schatten mit ins Spiel bringen, während bereits bestehende Schatten verschwinden.
Indirekte Schatten in Räumen, wie einer Hütte, einer Höhle oder einem Zelt werden dunkler als im Freien dargestellt.

Halte dich beim Marsch oder im Versteck immer im tiefsten Schatten auf. Die Außenkanten eines Schattens sind heller und die Innenflächen dunkler. Denke daran, daß du in Gegenden mit dichter Vegetation soviel Teile der Vegetation wie möglich zwischen dich und den Quarry bringst. Das verhindert deine Entdeckung zwar nicht vollständig, ärgert aber deinen Gegner. Das Hindurchsehen durch dichte Vegetation ermüdet sehr schnell die Augen.
Hier noch ein Hinweis zum Verhältnis von Schatten und Zeichen.
Wenn ein Objekt über einen Laubteppich geht, richten sich die Blätter in der Bewegungsrichtung auf. Abhängig vom Lichteinfall werden die Schatten mehr oder weniger sichtbar
Ein Umriß gegen einen kontrastierenden Hintergrund sollte jedem Tracker verdächtig vorkommen – gegen flache Hintergründe wie Wasser, Schnee, Felder oder am auffälligsten von allen, dem Himmel. Vermeide es also, daß sich dein Umriß klar und deutlich gegen welchen Hintergrund auch immer abzeichnet. Das sieht zwar im Film wunderbar aus, wenn eine Truppe sich scharf gegen die Abendsonne abzeichnet, besonders, wenn dazu noch tolle Musik ertönt, aber laß es sein: du hast schnell die schwarze Essensmarke.
Jede Gegend auf dieser Erde hat entsprechend ihrer klimatischen Bedingungen ihre ganz spezifischen Farben und Oberflächen. Während die Farben selbsterklärend sind, bestimmt die Oberflächenbeschaffenheit die charakteristischen Merkmale dessen, was du siehst. So kann z. B. die Oberfläche weich, rauh, steinig, laubbedeckt oder eine beliebige Kombination aus allem sein.
Wenn Farbe und Oberflächenbeschaffenheit eines Objektes sich von der Umgebung abheben, müssen bei dir die Alarmglocken klingeln. Helle Objekte und weiße Haut heben sich von fast allen Hintergründen ab.
Benutze Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für deine Tarnung. Es macht keinen Sinn, sich mit trockner Vegetation in mitten eines Grasfeldes zu tarnen oder mit grüner Vegetation in der Wüste oder im Fels. Um Bewegungen zu verstecken oder zu tarnen, mußt du auf die Materialien der unmittelbaren Umgebung zurückgreifen.
Und nun noch einen wichtigen Punkt im Zusammenhang mit der Oberfläche, den Glanz.
Wenn du schwitzt, wird deine Haut feucht und beginnt zu glänzen. Ausrüstung mit abgeriebener Farbe wird glänzen. Sogar angestrichene Objekte mit einer glatten Oberfläche glänzen. Alle Objekte, die Glas als Bestandteil haben, glänzen. Du hast also reichlich Arbeit, deine Tarnung zu vervollständigen und zu verbessern. Glaube es mir, sogar der Glanz blanker Ösen deiner Kampfstiefel, blanker Schnallen usw fällt auf ca 100 m unter guten Lichtbedingungen der Konkurrenz ins Auge.
Es wurde schon in unserem Survivalhandbuch erwähnt, daß die Natur, von Kristallen und Felsschichtungen einmal abgesehen, einen Horror vor regelmäßigen Anordnungen hat. Regelmäßige Reihen von Büschen und Bäumen sind von Menschen angelegt worden. Auch wenn du keine Menschen siehst, sie sind oder waren da.
Plötzliche Bewegungen fallen sofort ins Auge. Fast 80% aller Ergebnisse bei der Verfolgung eines Zielobjektes kommen auf das Konto der Augen! Zuschauer, die in einen voll besetzten Stadion regungslos nur als Masse erkannt werden, werden sofort zu Einzelpersonen, wenn auch nur ein einzelner aufspringt. Denke also daran, daß du als Stalker den gleichen Einschränkungen unterliegst wie dein Zielobjekt!
Über die verschiedenen Arten der Bewegung werden wir noch sprechen müssen.
Es ist nicht Aufgabe dieses Handbuches, deine Kenntnisse im Tarnen wieder aufzufrischen, ich will aber kurz noch auf einen Aspekt der Tarnung eingehen, der immer mehr in den Vordergrund rückt, die Tarnung gegen Aufklärung mit technischen Mitteln, denn auch sie beeinflussen dein Verhalten als Tracker.
Moderne Geräte erkennen Objekte und Unregelmäßigkeiten im Gelände sogar dann, wenn sie getarnt sind. Wir alle haben von Infrarot- und Wärmebildgeräten gehört. Es lohnt sich also im Interesse der eigenen Sicherheit, sich ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Nachdem wir nun verstanden haben, warum ein Objekt von uns gesehen wird, wollen wir uns nun dem nächsten Thema zuwenden, dem richtigen Gebrauch deiner Augen. Das mag dir wie eine Allerweltsgeschichte vorkommen, aber ich will dich nicht in die übliche Falle laufen lassen, in der du nur einen Blick in die Gegend wirfst aber nichts siehst!
In der militärischen Grundausbildung hat man es uns immer wieder eingehämmert, ständig zu beobachten. Leider war das sehr oft das Drillen einen Bewegungsablaufes: Der Rekrut war nur scheinbar wachsam; er warf nur Blicke in die Gegend, ohne aber wirklich zu beobachten und zu sehen, immer in der Gewißheit, daß der Ausbilder sein Verhalten nicht ständig überwachte. Konsequenterweise war er nicht wirklich in der Lage, sich wirklich an das zu erinnern, was er flüchtig gesehen hatte und daraus seine Folgerungen zu ziehen. Als Tracker ist er überflüssig wie ein Ochse als rinderbevölkerungspolitisches Element!
Wir arbeiten beim Beobachten mit zwei Techniken:
Absuchen ist das systematisierte und nach einer eingeübten Prozedur ablaufende Überprüfen eines Geländes auf Bewegungen und unübliche oder herausragende Objekte, also auf Zeichen. Zum Absuchen unterteilen wir das Gelände in
Zeichen sind an bestimmten Plätzen leichter als an anderen zu finden. An den folgenden Plätzen sind Zeichen am besten zu finden:
Beim Absuchen und Suchen mußt du dich an die 6 Faktoren erinnern, die ein Objekt erst einmal sichtbar machen:
Deine Augen, Ohren und Nase müssen ständig die Umgebung absuchen. Solange du das aber bewußt machst, gehen dir zahlreiche Informationen verloren, solange, bis diese Tätigkeit völlig unbewußt abläuft. Alle 5 Minuten, abhängig davon, wie nahe du deinem Zielobjekt bist, und nicht öfter als alle 10 Minuten solltest du eine Beobachtungs- und Lauschhalt einlegen.
Du mußt deine Augen dazu trainieren, den unmittelbar vor deiner Nase stehenden Bewuchs zu ignorieren und durch ihn hindurch zu sehen. Ein anderes Verfahren von wirklich unschätzbaren Wert ist, sich auf den Boden zu legen und aus dieser Position durch das Unterholz hindurch nach Zeichen oder Zielobjekten Ausschau zu halten.
Du mußt sowohl im Nah- als auch im Fernbereich beobachten und sowohl große als auch kleinste Objekte untersuchen. Sobald dir ein unbekanntes Zeichen oder Geräusch auffallen, „friere dich ein“, d.h. verhalte dich absolut bewegungslos und still.
Das ist die Anwendung von sehr ausführlichen Beobachtungstechniken, um festzustellen, ob das Zielobjekt sich in einen bestimmtem Gelände aufhält oder nicht. Die Basis dieser Übungen ist eine eingehende und gründliche Untersuchung und Beobachtung der kleinen und kleinsten Flächen, um den Unterschied zwischen dem ungestörten Originalzustand und dem durch das Zielobjekt gestörten Zustand zu ermitteln.
Die Basis für diese Übung bildet die Beschreibung des Geländes in seinem ursprünglichen Zustand gefolgt von einer Aufstellung der durch das Zielobjekt hervorgerufenen Veränderungen. Zum Schluß werden die daraus zu treffenden Schlüsse gezogen, die dem Tracker weiterhelfen.
Auf den nächsten Seiten wird anhand mehrerer Beispiele gezeigt, wie die o. g. Beobachtungen ablaufen können.
Der Zeitvergleich mit dem letzten Regenfall gibt dir schon ein Zeitfenster.
Ist der Ast oder Zweig in drei Teile zerbrochen, wenn du also zwei Bruchstellen siehst, ist es ziemlich sicher, daß ein Mensch durch sein Gewicht beim darauftreten diesen Ast zerbrochen hat. .Der Mittelteil, der in die Bewegungsrichtung verschoben wird, ist ein wichtiger Zeiger
Wenn die Bruchflächen von der gleichen Farbe sind, ist der Bruch weniger als 6-7 Stunden alt; wenn es ein älterer Bruch ist, sind die Flächen tot und die Farbe wechselt in einen Braunton
Ebenso wie es Spiele gibt, die Lehrer und Schüler im stillen Kämmerlein spielen können, um Beobachtungsgabe, Erinnerungsvermögen und das Ziehen von Schlüssen üben können, gibt es auch Spiele und Übungen, die im Gelände durchgeführt werden können, wie das Legen eines Spur mit verschiedenen Schwierigkeiten und wechselnden Szenarien. So kann z.B. der Ausbilder während eines Marsches, ob in der Stadt oder im Gelände, die Gruppe darin üben, alle Gegenstände während eines Marschabschnittes zu nennen. Noch einmal: Auch wenn das Verhalten beim Beobachten zunächst „nach Vorschrift“ geübt werden sollte, die Elemente Überraschung und Wettkampf müssen eine starke Rolle spielen.
Der Ausbilder wird hier auf das Kapitel 17 – Ausbildung von Trackern verwiesen.
Eine hervorragende Übung ist die folgende, die bei der Scharfschützenausbildung der Royal Marines angewendet wird.
In einem Halbkreis von 300 Meter Radius werden 12 Objekte so versteckt, daß sie mit dem bloßen Auge nicht entdeckt werden können. Den Schülern wird ein Foto des Halbkreises ausgehändigt. Danach haben sie 50 Minuten Zeit, mittels DF die Gegenstände zu identifizieren, in das Foto einzutragen und zu beschreiben. Die Anzahl der Gegenstände kann je nach Alter und Ausbildungsstand der Schüler variieren, aber die Marines lassen jeden durchfallen, der weniger als 8 Gegenstände identifiziert, falsch einträgt oder falsch beschreibt!
Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Beobachtung im Gelände ist das Meldewesen. Entweder muß der Tracker alle Einzelheiten im Gedächnis behalten, bis er Gelegenheit hat, sie zu melden oder er muß seine Beobachtungen ebenso genau notieren. Ein Tracker ist nutzlos, wenn er seine Informationen nicht weitergeben kann, und zwar lückenlos! Daher gehört zur Ausbildung auf jeden Fall das Melden, das Anfertigen einfacher aber genauer Skizzen, und, bei mehr Erfahrung, das Anfertigen detaillierter Karten.