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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

12. Die Verfolgung eines Zielobjektes

Du hast jetzt ganz solide Grundkenntnisse erworben, und wenn sich die bisher angebotenen Übungen im freien Gelände abgespielt haben, auch ein wenig Praxis erworben, um intensiver mit der Verfolgung eines Zielobjektes zu befassen.

Da sich die Verfolgung eines Zielobjektes, also die Verfolgung eines oder mehrerer Personen, doch sehr von der Jagd auf Tiere unterscheidet, wollen wir den militärischen Begriff „Track Pursuit Drill“ (TPD) im weitere Verlauf verwenden; der Begriff ist eben kürzer, und als ehemalige Soldaten kennen wir ja den „BwAküFi“, den „Bundeswehr Abkürzungs-Fimmel). Der TPD ist vom Militär erdacht und formuliert worden, um dem militärischen Tracker einen Rahmen an die Hand zu geben, in welchen er seine Fähigkeiten voll einsetzen kann. So ein Rahmen ist auch für den zivilen Tracker hilfreich, da er sich an einer vorgegebenen Reihenfolge von Tätigkeiten orientieren kann. Wie der Name schon sagt, ist der TPD eine Reihenfolge von Aktivitäten, ein Drill im positiven Sinne, der den Tracker bei der Verfolgung unterstützt. Noch einmal: Der TPD ist ein Rahmen, das darin eingefügte Bild mußt du selbst malen! Einige Punkte der Reihenfolge sind sich entwickelnde Prozesse, während andere Aktionen sind. In der richtigen Reihenfolge abgefahren, gibt der TPD dem Tracker die beste Möglichkeit, sein Zielobjekt zu erreichen. Der TPD erfordert einen Zyklus von 7 Schritten, die solange wiederholt werden, bis das Zielobjekt erreicht wird.

Diese Kapitel führt dich in den Prozeß der Interpretation, das Lesen von Zeichen und ihre Wechselwirkungen auf den TPD ein. Es gibt dir einen Überblick über die 7 Punkte des TPD bis hin zu einer vollständigen Erklärung.

Das Lesen von Zeichen.

Wenn du weißt, wie und wonach du suchen willst, ist das Folgen einer Spur wie das Lesen von Hausnummern. Um aber mit den einzelnen Zeichen vertraut zu werden, muß der Tracker zuerst herausfinden, was er beobachtet hat. Die folgende kleine Liste ist dabei für den Anfänger hilfreich.

Die 7 Schritte des TPD.

Jeder dieser Schritte wurde zu einem bestimmten Zweck entwickelt und es ist für den Tracker überlebenswichtig, daß er diese Schritte lernt und jederzeit anwendet. Nach der kurzen Beschreibung der einzelnen Schritte werden wir sie im einzelnen näher erklären.

Schritt 1: Einhaltung der Hauptmarschrichtung.

Der Tracker überblickt das Gelände in der geplanten Richtung und wieder zurück, bis er sicher ist, sich die Hauptmerkmale eingeprägt zu haben.

Schritt 2: Eliminiere alle alten Zeichen und Spuren und lege die endgültige Hauptmarschrichtung fest.

Findest du mehrere Eingänge, vergleiche das Alter der Zeichen und eliminiere die alten – folge den frischen Zeichen.

Schritt 3: Sieh auf das entfernteste Zeichen zuerst und verbinde es rückwärts mit deinem Standort.

Damit stellst du fest, ob sich die aus den Zeichen gebildete Spur gabelt oder das du nicht einer unwillkürlichen oder vom Zielobjekt gewünschten Täuschung unterliegst. Letztendlich willst du ja der richtigen Spur folgen.

Schritt 4: Schau durch die Vegetation hindurch und nicht auf sie.

Dieser Schritt ist immer ein ständiger Prozeß und das ist auch der Grund, warum er in der Mitte der 7 Schritte des TPD steht. Er ist überlebenswichtig und wird ständig ausgeführt. Dein Zielobjekt macht´s genau so, also denk dran!

Schritt 5: Überprüfe das Gelände auf die Möglichkeiten zur Täuschung.

Mit diesem Schritt stellst du sicher, daß sich dein Zielobjekt nicht aus deinem Einflußbereich entfernt oder eigene Täuschungsmaßnahmen getroffen hat. Es gibt unzählige Wege, dich zu verwirren. Näheres dazu im Kapitel 17: Täuschungstaktiken.

Schritt 6: Plane deine nächsten Schritte.

Hier mußt du den besten Annäherungsweg bis zu dem Zeichen planen, das dein Zielobjekt hinterlassen hat. Erinnere dich an alle Hindernisse, die du umgehen mußt; denn wenn du erst einmal auf der Verfolgung bist, wirst du mehr auf den Boden und die unmittelbare Umgebung schauen als in die Ferne. Merke dir auch, wo geräuschintensive Vegetation steht. Beachte, daß die in den Schritten 1-6 erwähnten Tätigkeiten zum großen Teil beim Halten ausgeführt werden, da du dich hierzu auf deine Augen verlassen mußt. Und vermeide jede Bewegung, die unnötige Aufmerksamkeit erregt.

Schritt 7: Bewegung unter Deckung.

Die Zeit, in der ein Tracker am verwundbarsten ist, ist die Zeit , in der er sich bewegt. Jede plötzliche Bewegung erregt die Aufmerksamkeit des Zielobjektes, es wird sich verstecken oder flüchten, oder, wenn es ein militärisches Zielobjekt ist, seinerseits einen Hinterhalt legen. Du siehst also, daß ein genaues und jederzeit verfügbares Bild der Spur und die Planung deiner Bewegung wichtig ist. Bewegst du dich aufrecht oder nur leicht gebückt, laß deine Augen und Ohren ihre Arbeit tun, sei wachsam gegenüber Allem in deiner Umgebung und achte auf die Zeichen deines Zielobjektes. Als Tracker mußt du auf jeden Fall auch aus den Augenwinkeln sehen können. Erreichst du das von deinem Startpunkt am weitesten entfernte Zeichen, beginnt der Zyklus der 7 Schritte von vorn.

Um die folgende Erklärung der einzelnen Schritte zu erleichtern, wird ein bewachsenen Gelände unterstellt. Das ändert nichts daran, daß diese Prinzipien auch in einer Wüste oder in anderen vegetationslosen Gelände ihre Gültigkeit haben. Auch wenn dort das Tracking größere Anforderungen stellt, der TPD wird auch dort angewendet.


Gehen wir also in die Einzelheiten! Die Bilder 23, 25 und 25 des TPD sollen dir dabei eine Hilfe sein.

Schritt 1: Einhaltung der Hauptmarschrichtung (Bild 23).

Beginne das Tracking von einem Punkt aus, von dem du sicher bist, daß er von deinem Zielobjekt benutzt wurde, wie z.B. auf der blanken Erde, in einer Grube, einen Nest aus Gras gegen die Kälte, einen Lagerplatz oder sonst einem genau erkennbaren Ereignis. Falls das nicht möglich ist, versuche zuverlässige weitere Informationen über das Zielobjekt selbst zu bekommen: als Naturbeobachter von einem anderen Kameraden, als Soldat von einem Einheimischen oder deinen Kameraden. Erreichst du einen Geländeabschnitt, den du beobachten willst, halte dich erst einmal vornehm zurück und beobachte das Gelände als Ganzes, um dir einen Überblick zu verschaffen. Benutze im offenen Gelände dein DF, aber vermeide, daß Sonnenlicht auf die Gläser fällt. Durchsuche nun das Gelände nach Zeichen, Spuren und Fährten deines Zielobjektes.

Wenn du den Startpunkt deiner Verfolgung eindeutig festgelegt hast, untersuche die unmittelbare Umgebung nach Zeichen und bestimme ihr Alter; mache eine ggf. eine Gegenprüfung zu anderen bereits vorhandenen Informationen. Sind z.B. die Zeichen älter als 2 Tage und hast du vor 4 Stunden dein Zielobjekt zu letzten Mal gesehen, bist du auf der falschen Fährte. Die Beweise und deine Informationen müssen übereinstimmen. Wenn nicht, verhalte dich entsprechend Kapitel 17: Verlorene Spuren wiederfinden, bis du die richtigen Zeichen wieder gefunden hast.

Versuche schon zu Beginn der Verfolgung die Anzahl deiner Zielobjekte oder die Anzahl der Kfz und deren Nummern festzustellen. Dadurch bist du gegenüber deinem Zielobjekt im Vorteil, um folgende Punkte wiederzuerkennen:

Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich an diesen Plätzen neue und alte Spuren überlappen oder daß sich dein Zielobjekt plötzlich in eine andere Richtung bewegt hat. Die Spur, der du folgst, kann durchaus unter jüngeren Spuren versteckt sein, dann hast du das Problem, die Spuren unterscheiden zu müssen, um die richtige zu finden.

Stelle dich hinter das letzte klar erkannte Zeichen und untersuche das Gelände vor dir in einem Halbkreis von nicht mehr als 20-30 Metern, abhängig von der Geländebedeckung. Suche nach möglichen Eingängen im Unterholz und zwischen den Bäumen, um die Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes zu finden. Eliminiere alle Eingänge, wo das Zielobjekt mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht gewesen sein kann, wie z.B. Hindernisse, und wo es offensichtlich nicht durch das Unterholz gebrochen ist oder das natürliche Umfeld unberührt ist. Es ist aber möglich, daß zwei oder mehr Eingänge oder das Unterholz vor dir groß genug sind, das Zielobjekt durch zu lassen Du mußt in jedem Fall das ganze Gelände vor dir durchsuchen und soweit wie möglich durch das Unterholz nach möglichen Zeichen suchen.

Versetze dich in die Lage des Zielobjektes und frage dich, welchen Weg du selbst genommen haben würdest. Ist das Zielobjekt unaufmerksam oder weiß es nichts von deiner Anwesenheit, ist die Hauptmarschrichtung relativ leicht zu bestimmen.

Schritt 2: Eliminiere alle alten Zeichen und Spuren und lege die endgültige Hauptmarschrichtung fest (Bild 24).

Wann immer sich ein Tier oder ein Mensch durch eine beliebige Umgebung bewegt, wird es diese entlang seiner Bewegungsrichtung verändern, wobei diese Veränderungen mehr oder weniger deutlich ausgeprägt sind. Ein Tracker wird durch Erfahrung und Ausbildung in der Lage sein, diese Veränderungen zu erkennen und nach und nach die Veränderungen eliminieren, die nicht unmittelbar durch sein Zielobjekt verursacht wurden, bis er die Hauptmarschrichtung seines Zielobjektes bestimmt hat.

Untersuche die möglichen Eingänge nacheinander nach folgenden Schema:

Schritt 3: Sieh auf das entfernteste Zeichen zuerst und verbinde es rückwärts mit deinem Standort (Bild 25).

Wenn du sicher bist, daß die vor dir liegenden Zeichen das aktuelle Alter haben und daß dein Zielobjekt von deinem Standort aus gesehen das am weitesten entfernte noch sichtbare Zeichen verursachte hat, kannst du daran gehen, diesen Schritt des TPD auszuführen. Ohne dich von deinem Standort fort zu bewegen. schaust du dir das am weitesten entfernte Zeichen an , merke dir dessen Position und richte dein Augenmerk in kleinen Schritten rückwärts bis zu deinem Standort, um die erkannten Zeichen in eine saubere Verbindung zu dir zu bringen. Dieses Rückwärtsschauen mit den Augen und das Erkennen von Zeichen ist hilfreich, um falsche Eingänge und Spuren zu eliminieren.

Visuelles Tracken wird zu Beginn immer rückwärts, vom entferntesten bis zum unmittelbar nächsten Zeichen, ausgeführt! Erst beim schrittweisen Tracking (Siehe Kapitel 2 und 17) wird sich die Methode ändern. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist das genannte Verfahren schneller – wenn du gute Oberflächenzeichen und schlüssige Bodenzeichen 20-30 Meter vor dir siehst, kannst du dich sofort auf den Weg machen. Dabei mußt du aber bedenken, daß, wenn die Entfernung zum Zielobjekt zunimmt, die Spuren immer älter und kälter werden und so deine Schwierigkeiten bei der Verfolgung erhöhen. Zum anderen, wenn sich ein unerfahrener Tracker auf Bodenzeichen und schrittweises Tracking konzentriert, wird er schnell den visuellen Kontakt zu Zielobjekt verlieren. Leider läßt sich das nicht immer vermeiden, ist aber sehr, sehr zeitaufwendig.

An dieser Stelle ist der Hinweis wichtig, daß der Tracker immer schlüssige oder zu begründende Zeichen vor sich haben sollte, bevor er den nächsten Schritt macht, besonders in einem Gelände, dessen Beschaffenheit nur wenige Zeichen zuläßt. In der Anfangsphase des Lernens ist vertretbar, daß sich der visuelle Tracker unmittelbar hinter dem letzten definierten Zeichen aufhält und nicht auf ihn, während er den TPD durchführt, um das Zeichen nicht durch eigene Bewegungen zu zerstören. Das ist wichtig für das Wiederfinden verlorener Zeichen (Siehe Kapitel 17).

Um ein Bodenzeichen zu untersuchen, kniest du dich hin; aus der aufrechten Position heraus ausgeführt, wird sich dein Gesichtsfeld zu stark vergrößern, um noch kleinste Details erkennen zu können.

Die Methode des Ausschauhaltens zum entferntesten Zeichen und dieses mit dem Ausgangspunkt zu verbinden, hat einige Vorteile:

Schritt 4: Schau durch die Vegetation hindurch und nicht auf sie.

Bis jetzt hast du dich noch nicht von deinem Ausgangspunkt fortbewegt, aber du bist sicher, den Anfang der Spur gefunden und deren Richtung innerhalb der nächsten 20-30 Meter bestimmt zu haben. Je nach Art deines Zielobjektes wirst du nun auf die Oberfläche, in die Büsche, den Himmel oder nur auf den Boden vor dir sehen.

Das ist das Gleiche wie im Schritt 1 des TPD oder am Ende des 7. Schrittes. Denke daran: der TPD ist ein ständiger Kreislauf, der aber an dieser Stelle noch einer Änderung bedarf, weil:

Bewege dich wenn nötig auf den Knien und überprüfe den Boden durch die Vegetation hindurch. Benutze dabei Wildwechsel, auch die von Kleintieren. Bewege dich nicht in einer geraden Linie, so daß du auch an Hindernissen vorbei sehen kannst

Nun solltest du sicher sein, daß sich dein Zielobjekt nicht im Bereich der nächsten 20-30 Meter befindet.

Schritt 5: Überprüfe das Gelände auf die Möglichkeiten zur Täuschung.

Mit Täuschungen haben vornehmlich militärische und polizeiliche Tracker zu tun. Von beiden, sowohl dem Gegner als auch dem Kriminellen, mußt du erwarten, daß sie Täuschungen anwenden, um dich auf eine falsche Spur zu locken oder dir einen Hinterhalt legen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dich zu täuschen. Im Einzelnen werden wir darauf im Kapitel 17: Täuschungsmanöver näher eingehen.

Du befindest dich nun am gesicherten Beginn einer Spur, hast die unmittelbare Umgebung genau überprüft, aber dein Zielobjekt noch nicht gesehen. Als Polizist oder Soldat hast du so wie möglich ausgeschlossen, daß sich der Flüchtige oder der Gegner nicht in der Nähe befindet, daß sie keinen Hinterhalt oder Fallen gelegt haben. Besonders für den militärischen Tracker ist die Kenntnis von Fallen jeder Art, die der Gegner verwenden könnte, von lebenswichtiger Bedeutung.

Dieser Schritt des TPD ist nicht nur bei der Verfolgung von Menschen anwendbar. Einige große Tiere, wie z.B. der afrikanische Büffel, haben es gelernt, ihren Verfolgern im Hinterhalt auf zu lauern oder sogar von hinten anzugreifen. Ein Trostpflaster: Der von einer germanischen Weide ausgebrochene Bulle tut das NICHT! DER greift dich nämlich frontal an!!

Du mußt dich darauf konzentrieren, alle Täuschungsmanöver, die dein Zielobjekt möglicherweise angewendet hat, frühzeitig zu erkennen. Beobachte entlang der erkannten Spur das Gelände rechts und links davon, um Unregelmäßigkeiten in der Natur aufzuspüren. Merke dir die kleinste Unregelmäßigkeit in der Vegetation, du wirst sie später im Schritt 7 zur Bestätigung brauchen. Du mußt dir eine genaue Kenntnis und ein tiefes Verständnis für Täuschungsmanöver zu eigen machen und ständig darauf vorbereitet sein, sie anzuwenden oder auszuschalten.

Gelegentlich ist es auch für dich von Nutzen, einer falschen Spur oder Täuschung näher auf den Grund zu gehen, um zu einem besseren Verständnis über mögliche Handlungen deines Zielobjektes zu kommen. Deine Gerissenheit, dein Bereitschaftsgrad und deine Tarnung, mit der du eigene Täuschungsmanöver durchführst, helfen dir zu verstehen, wie dein Zielobjekt denkt und handelt. Halte dir immer vor Augen, daß alles, was du an Täuschungen kennst, auch die Zielobjekt kennen kann! Sogar wenn du die Spur völlig verloren hast, bist du noch in einer besseren Lage, um die Lage zu beurteilen und in der richtigen Gegend weiter zu suchen.

Schritt 6: Plane deine nächsten Schritte (Bild 26).

Du hast jetzt die Spur des Zielobjektes ausgemacht, bestätigt und sichergestellt, daß sich das Zielobjekt nicht in der näheren Umgebung aufhält. Das Gelände rechts und links der Spur ist frei von Täuschungen und Fallen.

Nun mußt du den besten Annäherungsweg bis zu dem Zeichen planen, das dein Zielobjekt hinterlassen hat, merke dir dabei die Hindernissen, die du umgehen oder ggf. genauer untersuchen mußt. Der Grund dafür ist, daß du dich nur vorwärts bewegen darfst, wenn du die Umgebung und nicht den Boden beobachtest, geschweige denn, wo du deine Füße hinsetzt.

Bevor du dich aber in Bewegung setzt, schaue zuerst einmal auf den Boden und merke dir, wohin du auf den nächsten Metern deine Füße setzen willst. Halte besonders nach Wurzeln und Ranken Ausschau, die dich zu Fall bringen können, jeder Anfänger wird zunächst einmal diesen Fehler machen, also tröste dich!

Geräusche sind ein anderer Faktor, den du in Erwägung ziehen mußt. Stelle nie deinen Fuß auf eine Stelle, an der du durch brechendes trockenes Holz Geräusch machen kannst (oder auf eine Mine). In Gegenden mit dichter Vegetation trägt der Schall weiter als du sehen kannst. Das führt dazu, daß dein Zielobjekt früher von deiner Anwesenheit weiß als du von seiner.

Erinnere dich auch daran, daß sich in der Natur kein Teil der Vegetation allein bewegt; beobachte also deine Umgebung darauf hin, ob sich einzelne Bäume, Büsche, Äste bewegen, während ihre unmittelbare Umgebung regungslos ist. Bewegungen melden deine Anwesenheit in alle Richtungen. Eine müde oder unaufmerksame Person, die sich durch dichtes Unterholz bewegt, wird eher gehört als gesehen.

Bis jetzt hast du dich noch keinen Schritt vorwärts bewegt. Im Schritt 4 des TPD hast du dich in der Regel nach rechts oder links oder auf und ab bewegt. In den Schritten 1-6 hast du dich an der gleichen Stelle aufgehalten und mit erhobenen Kopf nach den leisesten Geräusche gelauscht, um ggf. sofort in Deckung zu gehen.

Denke daran, alle notwendigen Geräusche auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, um deine Position nicht zu verraten. Also auch dem Eichelhäher nicht, der über dir auf einem Ast sitzt. So ein Flattermann versaut dir den ganzen Tag!

Schritt 7: Bewegung unter Deckung (Bild 27).

Bewege dich nun unter Deckung auf der festgelegten Teilspur bis zu ihrem Ende. Setze deine Füße so weit wie möglich an den vorher geplanten Stellen ab. Sei immer darauf vorbereitet, daß du von einem Schritt zum anderen einen Geländeabschnitt vorfinden wirst, den du vorher noch nicht beobachten konntest. Während deiner Bewegung bist du naturgemäß am verwundbarsten und selbstverständlich auch durch dein Zielobjekt.

Sieh bei der Bewegung niemals auf den Boden, das ist gar nicht nötig, wenn du dich im Schritt 6 sorgfältig vorbereitet hast. Wenn du aber den Boden betrachten oder nach möglichen Täuschungen oder Fallen Ausschau halten mußt, halte an, knie dich hin und überprüfe den Boden. Ein militärischer Tracker hat in der Regel einen Sicherungsmann, der ihm in entsprechenden Abstand auf die gleiche Art folgt und ihn beim Beobachtungshalt sichert.

Stelle sicher, daß deine Anwesenheit und deine Position nicht durch den „Buschtelegraf“ sich bewegender Äste usw. weiter gemeldet wird. Erzeuge keine Geräusche, da sie weiter als dein Gesichtsfeld tragen. Nähere dich deinem Zielobjekt unbemerkt.

Triffst du nicht auf dein Zielobjekt, und das wird dir mit Sicherheit passieren, wenn du das am weitesten von deinen Startpunkt aus liegende erkannte Zeichen erreicht hast, mußt du (leider) wieder mit dem ersten Schritt beginnen, solange, bis du dein Zielobjekt erreicht hast.

Bild 26 und 27 des TPD.


Ein Beispiel für einen TPD.

Nehmen wir einmal an, es ist ein kühler Frühlingstag. Ein Bauer hat in den frühen Morgenstunden eine kleine Gruppe von gegnerischen Soldaten gesehen, die eine Straße in der Nähe seines Hofes überquert haben. Der Bauer glaubt gesehen zu haben, daß sie einen Kameraden auf einer Trage mit sich führten. Wir, die Verfolger, sind der Gruppe über eine Strecke von 3 Km durch teilweise landwirtschaftlich genutztes Gelände gefolgt. Die gegnerische Gruppe ist 8 Mann stark, wie wir aus ihren Fußspuren beim Überqueren einer lehmigen Stelle leicht erkennen konnten. Außerdem haben wir aus der Tiefe der Fußspuren von zwei Personen mit einiger Sicherheit ableiten können, daß der Gegner tatsächlich eine verwundeten oder kranken Kameraden oder eine schwere Last mit sich schleppen. Die letzen Spuren über ein aufgeweichtes Feld haben sich klar und deutlich abgezeichnet und sind von der Morgensonne schon ein wenig angetrocknet.

Wir kommen jetzt in Laubwald. Die vom Gegner zurückgelassenen Bodenzeichen sind zum großen Teil nicht aussagefähig. Das zwingst uns, den TPD noch langsamer und sorgfältiger durchzuführen als vorher. Die Spur führt deutlich sichtbar zu einem Eingang in den Wald, dem wir uns aufmerksam nähern, da es ein idealer Platz für einen Hinterhalt ist, aber da sie einen Verwundeten mit sich tragen, ist ein Hinterhalt äußerst unwahrscheinlich.

Schritt 1: Einhaltung der Hauptmarschrichtung.

Der Tracker beobachtet durch die Bäume hindurch. Es ist ein Eichenwald mit einzeln stehenden Bäumen und wenig Unterholz, vom Gegner ist nicht zu sehen. Die Verlängerung der Marschrichtung von den Feldern her ist durch eine hohe felsige Schichtung unterbrochen, die sich nach links hinzieht. Die vermutete Marschrichtung ist entweder links entlang der Schichtung oder scharf rechts durch den Wald.

Schritt 2: Eliminieren aller alten Zeichen und Spuren festlegen der endgültigen Hauptmarschrichtung

Nach rechts ist die tote Vegetation am Boden ungestört. Nach links sind ein paar trockne Blätter verschoben worden. Der Boden links der Blätter scheint ungestört zu sein.

Schritt 3: Sieh auf das entfernteste Zeichen zuerst und verbinde es rückwärts mit deinem Standort.

Fünf Meter von den verschobenen trocknen Blättern entfernt ist ein Bachbett. Auf dem gegenüberliegenden Ufer sind tiefe Eindrücke zu sehen, die wahrscheinlich von den Trägern der Trage stammen, die das Hindernis umgangen haben.

Schritt 4: Schau durch die Vegetation hindurch und nicht auf sie.

Die felsige Schichtung wird untersucht, aber es wird nichts auffälliges gefunden.

Schritt 5: Überprüfe das Gelände auf die Möglichkeiten zur Täuschung.

Es werden keine Auffälligkeiten festgestellt

Schritt 6: Plane deine nächsten Schritte.

Die ersten Schritte können im Moos ausgeführt werde, also kein Problem mit Geräuschen, aber kurz vor dem diesseitigen Bachufer befindet sich eine mit trockenen Zweigen, wahrscheinlich Schwemmholz, bedeckte Fläche. Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Fläche ohne Geräusche zu queren.

Schritt 7: Bewegung unter Deckung.

Unter Beobachtung und Überprüfung des Geländes vor uns auf unmittelbare Anwesenheit des Gegners bewegen wir uns zum nächste Zeichen, welches sich als schlüssiges Zeichen herausstellt, da wir die Fußabdrücke von mehreren einzelnen Personen identifizieren könne,

Dies soll dir eine kleine Einführung in die Gedankengänge eines Trackers geben, während er den TPD durchführt.


Eine verlorene Spur.

Auf die näheren Einzelheiten, wie du eine verlorenen Spur wiederfinden kannst, werden wir im Kapitel 16 eingehen, es ist aber an dieser Stelle für den Anfänger schon wichtig zu wissen, welche Anzeichen auf eine verlorene Spur hinweisen:

Dein erstes Problem wird es nicht sein, die Spur wieder zu finden, sondern die Kontrolle über dich selbst. Setz dich erst einmal hin und gehe in Ruhe alle Möglichkeiten durch; warum und wo du die Spur verloren hast und wie du sie wiederfinden kannst. Nimm dir Zeit zum Nachdenken und übe dich in Geduld.

Gib niemals auf!

Die Spur ist da!

Irgendwo!


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