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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

18. Militärisches Tracking

Militärische Tracker werden aus zwei Gründen gebraucht:

Tracking-Techniken werden vielen Soldaten vermittelt, die aber später niemals als Tracker eingesetzt werden, aber wenn ein Soldat mit den Grundlagen des Tracking vertraut ist, hilft es ihm, den Trackern der Gegenseite zu entkommen.

Das Sammeln von Informationen.

Der visuelle Tracker muß sich darüber im Klaren sein, daß das Sammeln von Informationen über den Gegner vom Beginn einer Verfolgung an Zeit und noch einmal Zeit kosten wird. Im Gegensatz dazu steht der berechtigte Wunsch von S2, so schnell wie möglich an diese Informationen zu gelangen und sie auszuwerten. Jedes Detail einer Spur erzählt dem Tracker irgend etwas über sein Zielobjekt. Seine Einschätzung der Situation ist immer von vitalem Interesse für seine Vorgesetzten und wird in der Regel deren Entscheidungen beeinflussen. Andererseits wird der Tracker durch die gesammelten Informationen ein besseres Verständnis für das Handeln seines Zielobjektes bekommen und in der Lage sein, diesem zu begegnen.

Der Tracker muß die Hauptbewegungsrichtung seines Zielobjektes ermitteln und anhand seiner Karte die beste Route zur Verfolgung auswählen können. Eine begründete Annahme über das Verhalten des Zielobjektes wird ihm helfen, dessen Weg nachzuvollziehen und, falls er die Spur verloren hat, diese wiederzufinden. Er muß soweit wie möglich in die Haut des Gegners schlüpfen, um dessen Aktivitäten vorherzusehen; es kann sonst tödlich für ihn selbst ausgehen.

Ständig muß er sich fragen: „Was würde ich in diesem Fall tun?“, das hilft ihm, wenn die Spur verschwommen wird. Es sind nur ein paar Schritte mehr um ein Hindernis herum und in geschultes Auge wird diese Plätze prüfen. Oder die Stelle, an der du selbst einen Bach oder Fluß überqueren würdest, ist die gleiche, die dein Zielobjekt auswählen würde, falls er noch nicht von deiner Anwesenheit weis.

Ist der Gegner in Eile, wird er in der Regel den direkten Weg zwischen zwei Punkten wählen. Es sollt dir möglich sein, das festzustellen und ggf. eine Gruppe vorausschicken, um einen Hinterhalt zu legen. Diese Taktik wurde übrigens mit großem Erfolg in Botswana gegen Wilderer auf Nashörner angewendet.

Die Rolle des militärischen Trackers für das Sammeln von Informationen wird besonders von der SAS in Neusseeland durch einen eigenen Kursus gefördert, dessen Grundlagen wir schon beim „Auswerten von Ereignissen“ kennengelernt haben.

Auswerten von Ereignissen

Die Auswertung der Zeichen an einem Platz, wo ein Ereignis stattgefunden hat, ist eine entscheidende Tätigkeit für das Sammeln von Informationen aber auch gleichzeitig eine der schwierigsten, da an einer solchen Stelle viele Spuren gleichzeitig vorhanden sind und sich zum großen Teil überlagern oder auslöschen. Unglücklicherweise sind die Plätze oft auch wegen ihrer Größe oder ihrer Lage schwer zu finden oder der Gegner hat sie als Täuschung angelegt.

Hier einige Hilfen zum Auswerten von Ereignissen:

Gefahren an den Plätzen von Ereignissen.

Rechne immer damit, daß dein Gegner diese Plätze mit kleinen niedlichen Fallen und Minen bestückt hat und daß er dich gerade dorthin gelockt hat, um dich in die ewigen Jagdgründe zu schicken.

Ein kleiner Trost: ER darf das!!

Feststellen der Reihenfolge von Ereignissen.

Wenn du dich an diese Prozedur hältst, kannst du ziemlich sicher sein, keine Zeit zu verschwenden und nichts zu übersehen.

Offensive Aktionen.

Sondereinheiten werden normalerweise in allen Techniken des Tracking ausgebildet. Ihre Einheiten sind eine tödliche Kombination von Kampf- und Trackingtechniken, die aus der Luft, von See oder am Boden ausgeführt werden. Moderne Sondereinheiten sind ein bestens abgewogener Mix aus Altem und Modernen.

Nur eine bestens ausgebildete Sondereinheit kann wegen des Überraschungseffektes und ihrer umfassenden Ausbildung einem Gegner gleich welcher Stärke und Ausrüstung schweren Schaden zufügen, besonders wenn der Gegner nicht damit rechnet, was er eigentlich immer und überall tun sollte. Die folgenden Fallstudien werden den Einsatz von Trackern bei einer offensiven Aktion näher erläutern.

Im Jahre 1956 verfolgte ein australisches Tracking-Team im Dschungel von Malaysia eine 15-köpfige Gruppe der kommunistischen Terroristen. Nach 18 Stunden und einer Strecke von 10 km wurde der Gegner entdeckt und überholt. Das Team bestand aus 2 australischen Trackern, einer davon mit einem Suchhund, einen Iban (Eingeborener von Borneo, halfen dem SAS bei der Ausbildung im Dschungelkampf) und einem lokalen Eingeborenen. Beide waren hervorragende Kenner des Dschungels, aber keine Soldaten. Als die Spuren heiß wurden, verloren der Iban und der Eingeborene die Spur, weil sie es mit der Angst bekamen. Allein auf weiter Flur führten die beiden Australier ihre Mission fort, rieben den Gegner völlig auf und sammelten Informationen, welche von großen Einfluß auf die laufende Operation waren.

Während der gleichen Operation hatte die SAS 50 km nordwestlich vom Kuala Lumpur den Auftrag, Gegner aufzuklären und zu vernichten. Eine Teileinheit verfolgte die Terroristen über einen Zeitraum von 14 Tagen, ohne von diesen bemerkt zu werden. Im Verlauf der Verfolgung stellte sich heraus, daß der Sgt BobTurnbull ein besserer Tracker geworden war als die Iban, die ihn ausgebildet hatten. Er verfolgte ganz allein eine 4-Mann-Gruppe des Gegners, bis er sie stellen und vernichten konnte.

Die Südafrikanische Armee setzte während des Krieges in Namibia Buschmänner als Tracker ein. Diese Einheiten waren so offensiv organisiert, daß sie sogar RPG 7 und Mörser-Gruppen hatten. Die Gegenseite lernte schnell, sie zu fürchten!

Entkommen und Fliehen.

Jeder Gefangene wird seine Aufmerksamkeit darauf richten, wie er der Gefangenschaft entkommen und fliehen kann. Dabei sind Kenntnisse im Tracking von überlebenswichtiger Bedeutung; denn plötzlich ist der Soldat selbst das Ziel der Begierde, das Zielobjekt selbst. Nur wenn er weiß, wie er einer Spur zu folgen hat, kann er auch diese Spur vermeiden. Die Bedeutung dieser Fertigkeiten wurde schon vor 200 Jahren erkannt. Rogers Rangers, eine Einheit, die 1736 in Nordamerika gegen die Franzosen und Indianer kämpfte, hatten diese Standing Operationel Procedures (SOP´s), also immer und überall geltenden Befehle:

Wenn du dir einmal vor Augen führst, wann diese SOP´s geschrieben wurden, wie das Kampfgelände war, welche Waffen eingesetzt wurden usw., stellst du fest, daß sie zur damaligen Zeit schon sehr modern auch aus unserer Sicht waren, kämpfte doch die reguläre Truppe immer noch in der schon damals überholten Schlachtreihe; sie hat es auch bitter büßen müssen.

Diese SOP´s fanden ihren Niederschlag in den „Rules for Lead Scouts and Jungle Soldiers“ des SAS, die in den Urwäldern von Borneo und Malaysia vielen das Entkommen und Überleben ermöglichten. Das Wort „Lead Scout“ übersetzt man am sinnvollsten mit „Führer der Kundschaftergruppe“, Kundschafter im militärischen Zusammenhang,

„Rules for Lead Scouts and Jungle Soldiers“ – „Regeln für den Dschungelkampf“

  1. Markiere nie deinen Weg. Lege genau fest, ob du deine Abfälle vergraben oder mit dir tragen willst.
  2. Halte dich persönlich fit, deine Waffen sauber und deine Ausrüstung in Ordnung – immer.
  3. Bewege dich langsam und unauffällig und mit einer Geschwindigkeit, die deine Anwesenheit nicht über deine Sichtweite hinaus kundtut.
  4. Die Leben und das deiner Kameraden hängt von der Güte der gesammelten und weitergeleiteten Informationen ab. Vermerke immer, ob es sich bei den übermittelten Informationen um Fakten, Schlüsse oder Annahmen handelt. Lüge niemals oder wissentlich bei der Weitergabe von Informationen.
  5. Fitneß ist eine ganz persönliche Sache, aber auch der beste und wachsamste Scout wird müde. Ruhe dich bei nachlassender Konzentration und Müdigkeit aus. Du sparst Zeit und Nerven.
  6. Sieh niemals auf den Boden, wenn du dich vorwärts bewegst.
  7. Umgehe nach Möglichkeit dichtes Unterholz. Mußt du das Unterholz aber durchqueren, schlängel dich hindurch, ohne Spuren zu hinterlassen. Schneide dir nie den Weg frei, Sorge dafür, daß sich deine Ausrüstung nicht in Lianen oder Ranken verfängt und so Geräusche verursacht und die Spitzen der Büsche oder kleinen Bäume in Bewegung bringt.
  8. Erinnere dich daran, daß Geräusche von schlecht gepackter Ausrüstung, Sprechen und Flüstern, Husten oder eines zerbrechenden Astes deine Anwesenheit in alle Richtungen melden. Alarmiere und warne den Gegner nicht mit deiner Anwesenheit in dieser Gegend, bevor du nicht sicher bist, es ohne Gefahr für dich zu tun.
  9. Als Lead Scout mußt du deinem Deckungsmann anweisen, daß er sich immer in der günstigsten taktischen Entfernung zu dir bewegt.
  10. Vergiß nicht die in der Gruppe verwendeten eigenen Zeichen, sorge dafür, daß der Schlußmann die Spuren eures Trail verwischt. Stelle dich aber darauf ein, Täuschungstaktiken anwenden zu müssen.
  11. Ändere deine Routen und Zeiten in unregelmäßigen Intervallen, du läufst sonst Gefahr, in einen Hinterhalt zu geraten.
  12. Was du auch tust, lege deine Waffe niemals außer der Reichweite deiner Hände, schlafe, esse, sitze und benutze die Latrine, wenn du mußt, aber nie ohne deine Waffe.
  13. Trage soviel deiner Ausrüstung am Koppel oder Koppeltragegestell. Außer beim Schlafen, wo das Koppel in Reichweite zu liegen hat, trägst du es ständig.
  14. Als Lead Scout ist es deine Aufgabe und persönliche Verantwortung, die Gruppe unter keinen Umständen in die Reichweite der Waffen eines gegnerischen Hinterhalts zu bringen. Lege dazu Lauschhalte ein, lasse deine Sinne auf höchster Tourenzahl laufen. Gehe mit deinem Deckungsmann zusammen vor und prüfe die Lage. Schau durch die Vegetation und nicht auf sie.
  15. Mache dich mit der Tierwelt, den Insekten, den Gerüchen und Geräuschen und der Vegetation deines Operationsgebietes vertraut. Lerne die Warnrufe der Tiere kennen.
  16. Von Beginn einer Patrouille an bis zu deren Ende gilt höchste Alarmbereitschaft. Bewege dich unter Deckung und mit den richtigen taktischen Abständen innerhalb der Gruppe. Das Überwinden von Hindernissen, Pausen fürs Essen, Wasserversorgung, Lauschen, Fernmldeverbindung, Orientierung und Nachtruhe müssen unter Beachtung des taktischen Erfordernisse gemacht werden.
  17. Stelle sicher, daß alle Kameraden mit den Verfahren der Rendezvous-Punkte vertraut sind.
  18. 50 m vor einem geplanten Halt schicke einen Mann zurück, um die Lage zu prüfen. Die Überprüfung des Geländes vor und neben dem Halteplatz ist deine Aufgabe. (Rundumsicherung)
  19. Gute Disziplin und sofortige Reaktion bei Kontakt mit dem Gegner oder dessen Feuer sind eine Lebensversicherung für euch.
  20. An erster Stelle steht der Auftrag. Oft wird es notwendig sein, den Gegner unbehelligt zu lassen und seine Position und Stärke zu melden, anstatt sich in ein Feuergefecht verwickeln zu lassen.
  21. Verhalte dich bei allen verdächtigen Gerüchen und Geräuschen wie die Tiere: friere ein! Sollte ein Gegner deinen Weg kreuzen, hast du eine gute Chance, daß er dich nicht bemerkt. Kommt er auf dich zu, knie dich leise und langsam hin, bringe deine Waffe in die Richtung des Geruches oder Geräusches und halte dich zum Feuern bereit.
  22. Überzeuge dich vor dem Schuß, daß du das richtige Ziel gewählt hast.
  23. Wenn es möglich ist, laß die ersten beiden Gegner an dir vorbei, feure auf den dritten und vierten. Das Verhalten der eigenen Kameraden beim Legen eines Hinterhaltes wird vorher besprochen, besonders, wer den ersten Schuß abgibt, um die gegnerische Gruppe zu sprengen. Denke daran daß in der Hitze eines Gefechtes, besonders mit modernen automatischen Waffen, die Tendenz besteht, zu hoch zu feuern. Daher: Ziele tief und schieß um zu töten.
  24. Verzehre dein Abendessen kurz vor der Dunkelheit und marschiere weiter bis zu nächtliche Rastplatz, den du vor dem Einsetzen der Dunkelheit erreichen mußt. Richte dich für die Nacht ein und sei bereit, nach gründlicher Überprüfung des Geländes vor dem Morgengrauen weiter marschieren zu müssen.
  25. Lege deinen nächtlichen Rastplatz so an, daß es unmöglich ist, dich im Schlaf zu überraschen. Schlafe in Hängematten hoch über den Boden oder verstecke dich in dichter Geräusch machender Vegetation. Kein Licht, keine Gespräche, kein Feuer und alle nicht unmittelbar benutzten Ausrüstungsgegenstände im Rucksack.
  26. Wenn du als Spähtrupp mit dem Auftrag der Informationsgewinnung unterwegs bist, vermeide jeden Kontakt mit dem Gegner. Je tiefer du in sein Gebiet eindringst um so entspannter und unaufmerksamer wird er sein und um so leichter wird es für dich sein, unbemerkt seine Bewegungen und Aktivitäten zu beobachten. Hinterlasse keine eigenen Spuren und Zeichen, die dem Gegner deine Anwesenheit verraten. Benutze keine Straßen und Wege – bewege dich abseits.
  27. Deine Entscheidungen werden das Leben Anderer beeinflussen, das deiner Kameraden und Unbeteiligter. Lerne so schnell wie möglich, die richtigen Entscheidungen zu machen und habe keine Angst, davor Fehler zu machen und einzugestehen. Lüge nicht in die eigenen Taschen.
  28. Lerne soviel wie möglich über deinen Gegner; sein Verhalten, seine Taktik, seine Gewohnheiten und Aktivitäten – und werde niemals so übermütig, daß du meinst, schon alles zu wissen und zu können; denn unterschiedliche Zusammensetzung der gegnerischen Truppe und des Geländes werden auch unterschiedliche Taktiken und Verhaltensmuster zeigen.
  29. Beachte auf alle Fälle die „wandernde Landkarte“, Zeichen, Spuren von Mensch und Tier, Standorte wilder Früchte und Gärten, gute Jagd- und Fischgründe, alte Rastplätze des Gegners, Plätze für erfolgreiche Hinterhalte, Straßen und die Wege von Meldern.
  30. Es soll schon vorgekommen sein, daß ein Gegner zweimal im gleichen Hinterhalt mit der gleichen Taktik vernichtet wurde. Laß dir das nicht passieren! Besorge dir so viel Informationen wie nötig, auch von den eigenen Leuten.

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