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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

19. Hunde und Tracking

Das Thema hat zwei sich ausschließende Seiten im militärischen Zusammenhang:

Der Einsatz von Suchhunden geht weit in die menschliche Geschichte zurück, es gibt gerade heute aber genug Gelegenheiten bei Polizei und Militär, Suchhunde einzusetzen. So hat z.B. die Britische Armee Suchhunde und visuelle Tracker mit großem Erfolg gegen die Rebellen in Brunei eingesetzt.

Ein Geruchs-Tracker, ein Hund also, kann dem visuellen Tracker eine wertvolle Hilfe und Ergänzung sein. Bevor wir uns also den Techniken des Entkommens vor einem Suchhund zuwenden, wollen wir uns anhand einer kleinen Geschichte ein Bild davon machen.

Geruchs-Tracking – ein Polizeibericht.

Dies ist die sehr freie Übersetzung des Berichtes eine Landpolizisten in der Terminologie eines Trackers und zeigt in anschaulicher Weise, wie ein gutes Team von visuellen Tracker und Suchhund eine bemerkenswerte Verfolgereinheit bilden.

Nach der Überwindung einer Strecke von 4 km eines offenen Geländes, kamen wir in ein steiniges Gebiet, wo der Verfolgte, der sich unserer Anwesenheit bewußt war, von Stein zu Stein gesprungen war, im seine Spuren zu verwischen. Der visuelle Tracker konnte dieser Spur aufgrund der auf den Steinen zurück gelassenen Kratzspuren und der Übertragung von Erde auf die Steine folgen.

Auf dem Platz eines Baumateriallagers konnte die Spur wegen zahlreicher Überlappungen nicht mehr auf Sicht verfolgt werden und der Suchhund kam zum Einsatz. Der Hund untersuchte die Grenzen des Lagers und zeigte durch bellen an, daß der Flüchtige das Lager an einer bestimmten Stelle verlassen hatte.

Der visuelle Tracker erkannte anhand der unterschiedlichen Form der Fußabdrücke, daß der Flüchtige im Lager seine Schuhe gewechselt hatte: die Form der Abdrücke war verschieden von denen vor Betreten des Lagers, die Tiefe aber ähnlich. Diese Tatsache konnte aber durch den Suchhund bestätigt werden. Außerdem war der Flüchtige eine längere Strecke rückwärts gegangen, um die Verfolger zu täuschen, das war aus den Fußspuren ersichtlich. Später stellte sich heraus, daß der Verfolgte seine eigenen Schuhe wieder angezogen hatte, da das Gehen in fremden Schuhen ihn zu sehr ermüdetet.

An einem Fluß führten die Fußspuren direkt ins Wasser. Der Suchhund schwamm zur gegenüberliegenden Seite, konnte aber keine Geruchsspuren feststellen. Also kam er wieder zurück und wir suchten stromabwärts weiter, da es die schnelle Strömung des Flusses nahelegte, eine Strecke relativ mühelos zu schwimmen. Der Hund nahm die Witterung an einer Biegung des Flusses wieder auf. Nach einer Strecke von 3 km ging die Spur des Flüchtigen in denen einer Rinderherde unter. Der Suchhund jedoch fand die Spur des Flüchtigen an der Stelle wieder, wo dieser die Spuren der Herde verlassen hatte. Der visuelle Tracker bestätigte die Übereinstimmung der Spuren mit denen des Flüchtigen.

Er bestätigte weiterhin, daß die Spuren sehr frisch seien, da die von den Hacken des Flüchtigen aufgeworfene Erde feuchter als die der Umgebung war, und daß und die Abdrücke selbst sehr scharfe Kannten zeigten und noch nicht von der Sonne und dem ständig wehenden Wind getrocknet waren.

Der Hund.

Trotz jahrhundertelanger Domestizierung finden wir beim Hund noch fast alle Merkmale seiner wölfischen Vorfahren. Schon die primitivsten Menschen haben schnell die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Tiere erkannt und zu ihren eigenen Vorteil bei der Jagd und als Wachhund zu nutzen gewußt. Es gibt auch eine andere interessante Theorie, daß der Wolf als Vorgänger des Hundes den Menschen adoptiert hat, da er dessen Fähigkeit, schneller als er an sein Essen zu gelangen, erkannte. Gleichgültig, welche Theorie auch stimmen mag, der moderne Mensch nutzt auch heute noch den Hund bei der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung, Suchen und Retten und den Tracker gleich welcher Art zu unterstützen.

Gut ausgebildete und geführte Hunde können der Spur eines Flüchtigen abhängig von Wetter und Gelände bis zu 8 Stunden folgen, bei regelmäßiger Ablösung auch länger. Große ausgeruhte Hunde erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h auf einer Strecke vom 100 m, werden aber danach schnell müde. Eine Durchschnittgeschwindigkeit von 4 km/h kann als normal betrachtet werden, allerdings begrenzt durch den körperlichen Zustand des Hundeführers.

Der Hund ist von Natur aus neugierig. In vielen Fällen müssen seine Reaktionen von seinem Hundeführer interpretiert werden und gerade darin liegt ein Schwachpunkt, wenn der Mensch eine falsche Interpretation liefert oder die Reaktionen des Hundes ignoriert.

Von der Form und Struktur des Hundeauges wissen wir, daß der Hund kurzsichtig ist und nur schwarz und weiß unterscheiden kann, und wir wissen, daß er Schwierigkeiten hat, ein unbewegtes Objekt auf eine Entfernung von 50 m zu erkennen, Kompensiert wird das allerdings durch das äußerst genaue Erkennen von Bewegungen. Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, daß das Nachtsichtvermögen des Hundes dem des Menschen unterlegen ist.

Der Hund hat ein wesentlich feineres Gehör als ein Mensch. Er kann eine Geräuschquelle weit besser lokalisieren und außerdem für den Menschen unhörbare Geräusche hoher Frequenzen hören.

Die Fähigkeit zu Riechen.

Die Fähigkeit zu Riechen ist bei einem Hund um da 700-900-fache besser ausgeprägt als beim Menschen! Er kann kleinste Duftteilchen in der Luft, auf dem Boden oder an Gegenständen erkennen. Nicht ohne Grund werden Hunde als Sprengstoff- und Rauschgifthunde eingesetzt. Sogar die von kleinsten Störungen der auf dem Boden erzeugten Duftstoffe werden vom Hund bemerkt.

Es ist für den Tracker nicht unrealistisch, sich wie der Hund ein „Geruchsbild“ zu machen, Ein Hund denkt in Düften. Für uns Menschen ist das eine ganz andere Welt. Aber gleichgültig was auch geschieht, Gerüche werden immer frei. Wir können das Geruchsbild aus zwei Richtungen betrachten: Gerüche am Boden oder in der Luft, oder wir können noch genauer werden und ihre Bestandteile nennen:

Faktoren, die das Geruchsbild beeinflussen.

Gerüche sind chemische Prozesse und wie alle Prozesse unterliegen sie dem Einfluß der Zeit auf ihre Wahrnehmung. Je länger der Abstand zwischen der Zeit der Entstehung des Geruchs und der Zeit der Wahrnehmung, desto mehr verflüchtigt sich der Geruch. Aber auch andere Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung:

Suchhunde.

Sie sind dazu ausgebildet, die Fußspur eines Zielobjektes aufgrund ihres Geruches aufzuspüren und über eine lange Strecke zu verfolgen. Meistens arbeiten sie nach den am Boden haftenden Gerüchen, sind aber bei entsprechender Ausbildung auch im Stande, Gerüche in der Luft zu erkennen. Der mit einem Suchhund arbeitende Tracker sollte sich nicht durch das Verhalten des Hundes bei der Suche irritieren lassen, besonders nicht dadurch, daß der Hund bei der Suche den Kopf erhoben hat und nicht ständig mit der Nase am Boden schnüffelt.

Suchhunde brauchen normalerweise keine Geruchsproben des Zielobjektes, es ist ihnen aber eine große Hilfe. Sie nehmen alle Gerüche des zu durchsuchenden Gebietes auf und folgen einer der am meisten ausgeprägten Spur.

Geruchsspuren und -Fährten.

Suchhunde können trainiert werden, einer bestimmten Geruchsspur zu folgen, z.B. durch Proben von der Bekleidung eines Zielobjektes. Geruchsspuren halten sich am längsten, wenn das Zielobjekt langsam oder durch langes Gras oder dichte Vegetation geht. Sie sind leichter gegen den Wind zu verfolgen, da dieser Duftteilchen in Richtung des Suchhundes weht. Geruchsspuren halten sich sehr lange, am schnellstens werden sie nach 6-8 Stunden von felsigen Untergrund verschwunden sein.

Geruchstarnung.

Es gibt auf der ganzen Welt keine chemische Substanz, die einen Suchhund völlig von der Geruchsspur abbringen kann. Eine erfolgreiche Flucht vor Suchhunden hängt allein von der Anwendung bestimmter Techniken der Verwirrung des Hundes und von Improvisationstalent des Verfolgten ab, um den Hund und seinen Führer an der Verfolgung zu hindern.

Es gibt zwar Chemikalien, die den Eigengeruch einer Spur übertünchen, diese machen sich aber im Gegenzug durch ihren eigenen Geruch oder durch Rückstände wieder bemerkbar. Eines ist aber sicher: kein Geruch kann durch einen anderen stärkeren ersetzt werde, beide Arten werden sich vermischen und trotzdem für einen guten Suchhund erkennbar bleiben.

Ein Mensch, der sich mit tierischen Kot zur Geruchstarnung vollschmiert, riecht aus der Sicht des Hundes immer noch wie ein Mensch, der sich mit tierischen Kot zur Geruchstarnung vollschmiert – der Schlüssel ist der unverwechselbare Geruch eines Menschen.

Geruchsprüfung.

Wie bereits erwähnt, gibt es auf der ganzen Welt keine chemische Substanz, die einen Suchhund völlig von der Geruchsspur abbringen kann. Allerdings gibt es drei Arten von Substanzen, die eine Hund bei seiner Suche verwirren können.

Ausbildungsstandards bei Suchhunden.

Suchhunde werden in Abhängigkeit von ihrem Temperament und ihren natürlichen Fähigkeiten nach verschiedenen Methoden und zum Erreichen eines bestimmten Ausbildungsstandards trainiert. Das normale Verfahren ist das von Arbeit und Belohnung, wo der Hund hungrig auf eine Spur angesetzt wird und das Finden des Zielobjektes durch Fressen belohnt wird.

Einige Hundezüchtungen sind besonders für diese Art der Ausbildung geeignet wie bestimmte Jagdhunde, es sind allerdings die verschiedenen Rassen nicht gleich gut dazu geeignet. Es gibt Hunde, die trotz sorgfältigster Ausbildung schon nach einer halben Stunde das Interesse an ihrem „Spiel“, und mehr ist es nicht für den Hund, völlig verloren haben.

Suchhunde-Teams.

Ein militärisches Suchhunde-Team besteht in der Regel aus zwei oder mehr Hunden, einem visuellen Tracker, Scharfschützen und Funker, letzterer normalerweise für die Boden-Luft-Verbindung. Je nach Lage und Auftrag kann ein Team schnell mittels Hubschrauber an einer Geruchsspur abgesetzt und auch wieder aufgenommen werden.

Eine andere Verwendung ist der Einsatz von Suchhunden und ihrer Führer bei der Suche nach Verschütteten, z.B. nach Erdbeben, bei Lawinenabgängen und Bergrettungsoperationen. Diese Hunde sind trainiert, mit und ohne Leine selbständig zu arbeiten oder einfach still zu sitzen und auf seinen Führer zu warten, dem er durch eine bestimmte Haltung das Auffinden eines Körpers anzeigt.

Flucht vor Suchhunden und ihren Führern.

Das ist in erster Linie eine militärische Technik, gedacht für Sonderkommandos, die sich für Tage oder Wochen tief im gegnerische Gebiet aufhalten und ständig damit rechnen müssen, daß der Gegner Suchhunde gegen sie einsetzt, falls ihre Anwesenheit bemerkt worden ist.

Techniken.

Ziel diese Techniken ist, den flüchtenden oder ausweichende Soldaten in die Lage zu versetzen:

Verzögerungstechniken.

Unterbrechungstechniken.

Die einzige bekannte Methode, Suchhunden ohne Hinterlassung von Geruchsspuren über eine längere Zeit zu entkommen, ist das Reiten auf einem Tier oder die Benutzung eines Fahrzeuges.


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